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extract from: Kutane Microzirkulation Laser Doppler Anemomterie P. Altmeyer, K. Hoffmann, M. Stücker
4.3 Laser Doppler Anemometrie Der Laserstrahl in der sogenannten Laser Doppler Fluxmetrie hat in der Regel einen Durchmesser von 250-800 µm. Strahlt man ein derartiges Laserlicht in die Haut, streut es isotrop in alle Richtungen und es resultiert ein halbkugelförmiges Meßvolumen von etwa 1 mm Durchmesser. Mit Hilfe des optischen Dopplereffektes und entsprechender Frequenzverschiebungen ist es möglich die Verteilung der Blutzellgeschwindigkeiten in diesem Meßvolumen zu bestimmen. Es ist jedoch nicht möglich, die Blutzellgeschwindigkeit in einem einzigen Gefäß zu bestimmen, da der Querschnitt des Laserstrahls zu groß ist und immer mehrere Gefäße gleichzeitig erfaßt werden. Um die Blutzellgeschwindigkeit in einem einzigen Gefäß messen zu können, muß der Durchmesser des Laserstrahls so stark eingegrenzt werden, daß er nur ein Gefäß trifft und alle Dopplerfrequenzen in einem einzigen Gefäß generiert werden. Bei Gefäßdurchmessern im Hautgefäßsystem zwischen 8 µm in den Kapillarschleifen bis zu 35 µm in den Arteriolen (Uraverman 1989) muß man den Laserstrahl daher auf weniger als ein Zehntel des Durchmessers eines im herkömmlichen Laser Doppler Fluxmetrie-Gerät verwendeten Laserstrahls reduzieren.
4.3.1 Geschichte der Laser Doppler Anemometrie Laser Doppler Anemometer wurden erstmals zur Messung der Geschwindigkeit von sogenannten Erythrozytenghosts (Erythrozytenattrappen) eingesetzt (Kreid und Goldstein 1971). Diese Geräte arbeiteten mit einem stark gespreizten Laserstrahl, wodurch das Meßvolumen deutlich größer als der Gefäßdurchmesser wurde und nur schwer ein einziges Gefäß getroffen werden konnte. Dies führte zur Entwicklung von Laser Doppler Anemometer Mikroskopen, mit denen der Laserstrahl gezielter auf ein Gefäß adjustiert werden kann (Einev et al. 1975, Mishina et al. 1975) und die Blutzellgeschwindigkeiten in Gefäßen mit einem Durchmesser von nur 65-98 µm gemessen werden können. Die Suche nach Laser Doppler Anemometern mit noch besseren Auflösung und damit noch kleinerem Meßvolumen führte zur Entwicklung von sogenannten Interferenz Anemometern. Hierbei wird der Laserstrahl mittels eines optischen Systems aus Spiegeln und Prismen gespalten und im Meßfokus wieder zusammengeführt, so daß ein sogenanntes Interferenzmuster entsteht. Dadurch läßt sich in einem relativ kleinen Meßvolumen auch in waagerecht verlaufenden Gefäßen eine hohe Lichtintensität erzeugen. Passieren Erythrozyten dieses Interferenzmuster, werden entsprechend viele Dopplerfrequenzen generiert. Basierend auf der Interferenztechnik wurden sowohl Transmissionsanemometer entwickelt, bei denen die Dopplerfrequenzen auf der zum Lichteinfall gegenüberliegenden Seite detektiert wurden, als auch Reflexionsanemometer, bei denen das reflektierte Licht an der Seite empfangen wird, an der es eingestrahlt wurde. Auch die Interferenz-Anemometer wurden mit Mikroskopen kombiniert (Einev et al. 1975, Born et al. 1978, Le-Cong und Zweifach 1979), allerdings nur zur tierexperimentellen Bestimmung der kapillären Blutzellgeschwindigkeit und von Geschwindigkeitsprofilen verwendet (z.B. Arteriolen im Mesenterium des Hamsters) (Einev und Berman 1988, Le-Cong und Zweifach 1979, Einev et al. 1988). Ähnlich den kapillarmikroskopischen Systemen waren diese Systeme zur Messung der kapillären Blutzellgeschwindigkeit in Gefäßen, welche waagerecht in der Bildebene liegen, konzipiert. Der Dopplershift erfolgt jedoch nur, wenn die Photonen des Lichtes nicht senkrecht auf die Teilchen treffen, welche sich in den Gefäßen bewegen. Deshalb mußte der Laser Fokus zur Untersuchung parallel zur Bildfläche verlaufender Gefäße so breit gehalten werden, daß genügend Photonen die Teilchen in einem flacheren Winkel als 90° trafen. Dadurch konnte der Fokusdurchmesser des Laserstrahls nicht so stark reduziert werden, daß man wirklich nur eine einzige Kapillare traf. Deshalb wurden über viele Jahre keine anemometrischen Messungen an den Gefäßen der menschlichen Haut durchgeführt. Von manchen Autoren wurde diese Technik bereits als historisch angesehen (Shephard und Öberg 1990). Neuere Entwicklungen haben nun zum Ziel, die Blutzellgeschwindigkeit in Gefäßen zu messen, welche senkrecht zur Hautoberfläche liegen. Bei dieser Meßanordnung treffen die Photonen des Lichtes steil auf die Erythrozyten in den Gefäßen und man kann deshalb den Laser so stark fokussieren, daß das Licht auf eine einzige Kapillare trifft (Stücker et al. 1996). Erste in vivo Messungen an Kapillargefäßen der menschlichen Haut wurden bisher durchgeführt. 4.3.2 Mikroskopische Laser Doppler Anemometer 4.3.2.1 Meßprinzip Das Meßprinzip des Laser Doppler Anemometers zur Messung der kapillären Blutzellgeschwindigkeit in der Haut unterscheidet sich von der Laser Doppler Fluxmetrie im wesentlichen durch den geringeren Querschnitt des Laserstrahls. Laserlicht wird in das Gefäß gelenkt, in dem die kapilläre Blutzellgeschwindigkeit gemessen werden soll. Ein Teil des Lichtes wird an sich bewegenden Erythrozyten reflektiert, ein Teil an den Gefäßwänden. 4.3.2.2 Meßtechnik Zur Zeit ist nur ein Laser Doppler Anemometer zur Messung der kapillären Blutzellgeschwindigkeit in den Kapillaren der Haut kommerziell erhältlich (Laser Doppler Anemometer CAM-1, KK-Technology, England) (Abb. 22). 4.3.3 Klinische Anwendung 4.3.3.1 Untersuchungslokalisation Die Wahl der Untersuchungslokalisation richtete sich stets nach der Fragestellung. Messungen in allen Körperregionen sind möglich, ein Problem können die Atemexkursionen darstellen. 4.3.3.2 Untersuchungsprozedere Das Untersuchungsprozedere gleicht sehr dem Prozedere bei einer herkömmlichen kapillarmikroskopischen Untersuchung. Der Patient oder Proband akklimatisiert sich zunächst in der Untersuchungsposition über einen Zeitraum von etwa 20 Minuten. Dann wird die Untersuchungsstelle gut fixiert, so daß einerseits keine Bewegung im Untersuchungsfeld ist, andererseits jedoch die Durchblutung der Kapillaren nicht alteriert wird. 4.3.3.3 Normalwerte Ruheflußgeschwindigkeit Die mittlere kapilläre Ruheflußgeschwindigkeit am dorsalen Grundgelenk des Zeigefingers betrug bei 22" Raumtemperatur 0,47 mm/s (SD - 0,37 mm/s) (Stücker et al. 1996). Die in diesen Untersuchungen erhaltenen Ergebnisse stimmen damit in der Größenordnung mit den Werten anderer Meßtechniken überein. Die mittlere kapilläre Blutzellgeschwindigkeit war jedoch mit 0,47 mm/s geringfügig niedriger als die Werte, die mit den kapillarmikroskopischen Systemen in den Nagelfalzkapillaren gemessen wurden (Tab. 25). (Bollinger et al. 1974, Butti et al. 1975, Fagrell et al. 1977a). Kälte- und Wärmeprovokation Nach einem Eiswasser-Handbad bei 4"C über 2 min zeigt sich bei einer Ruhegeschwindigkeit in den Gefäßen von 0,41 f 0,25 mm/s ein signifikanter Abfall der kapillären Blutflußgeschwindigkeit auf 0,28 -t 0,11 mm/s (p L 0,003). Nach einem Warmwasserbad bei 32"C über 4 min ließ sich anemometrisch ein Anstieg der kapillären Blutflußgeschwindigkeit auf 0,78 ± 0,34 mm/s erfassen (p 10,001) (Stücker; et al. 1996). Dies entspricht den bisher beschriebenen Ergebnissen von den Nagelfalzkapillaren (Gasser und Berger 1990, Mahler et al. 1986, Nilsson et al. 1986). Bis zu einer Hauttemperatur von 32"C steigen die Kapillarfließgeschwindigkeiten nur mäßig an. Erst bei einer Hauttemperatur von über 32"C steigt die Geschwindigkeit deutlicher an (Fagrell et al. 1977, Fagrell et al. 1980, Mahler et al. 1986, Östergren 1984). Diese Befunde an den Nagelfalzkapillaren konnten anemometrisch für die senkrecht zur Hautoberfläche stehenden Kapillaren bestätigt werden (Abb. 24). Dies spricht für eine zumindest ähnlich hohe Sensitivität der Laser Doppler Anemometrie für kurzzeitige Geschwindigkeitsänderungen des Blutflusses in den Kapillaren im Vergleich zu den anderen kapillarmikroskopischen Techniken. Die Temperaturprovokation mit den Wasserbädern ist jedoch schlecht reproduzierbar (r = -0,04 nach Kühlung, r = -0,28 nach Erwärmung). So fällt nicht bei allen Probanden nach einem Eiswasserbad die kapilläre Blutflußgeschwindigkeit ab, sondern bei einigen steigt die kapilläre Blutflußgeschwindigkeit an, was auf den Beginn einer hyperämischen Reaktion hindeuten kann. Suprasystolische Stauung Wie in anderen Untersuchungen (Bollinger und Fagrell 1990, Fagrell et al. 1977; Fagrell and Intaglietta 1977) waren auch in den Untersuchungen mit dem Anemometer die maximale postokklusive kapilläre Blutzellgeschwindigkeit (0,90 ± 0,46 mm/s) und das Zeitintervall zwischen dem Öffnen der suprasystolischen Stauung und dem Erreichen der Maximalwerte gut reproduzierbar (24,9 & 9,2 s). Die Streuung der Ruhewerte (0,47 ± 0,37 mm /s) und des prozentualen Anstiegs der kapillären Blutzellgeschwindigkeit (11S%) nach Öffnen der Okklusion ist hingegen größer, was bereits aus Untersuchungen mit der Cross-Correlation Methode bekannt ist (Östergren and Fagrell 1986). Im Vergleich zu den Meßergebnissen, welche nach Kühlung gemessen werden konnten, scheinen die Meßwerte nach suprasystolischer Okklusion besser reproduzierbar. So betrug der Korrelationskoeffizient für die postokklusive Maximalgeschwindigkeit r = 0,67 (p = 0,002) und für die Zeit bis zum Maximalanstieg nach Okklusion sogar r = 0,97 (p = 0,0001) (Stücker et al. 1996). Hyperämie nach Applikation von Rubefaziens 30 Minuten nach Applikation eines Rubefaziens (Kombination aus Nicoboxil und Nonivamid, Finalgon® ) zeigt sich ein signifikanter Anstieg der kapillären Blutflußgeschwindigkeit von 0,47 ± 0,37 mm/s auf 0,74 ± 0,48 mm/s (p <= 0,04). Bei wenigen Patienten kann ein Abfall registriert werden (Abb. 25). 4.3.4 Methodenvergleich und Ausblick Die Laser Doppler Anemometrie ist als einzige Methode zur Quantifizierung der kapillären Blutflußgeschwindigkeit in senkrecht zur Hautoberfläche stehenden Kapillarschlingen konzipiert und eröffnet somit neue Anwendungsgebiete und Fragestellungen. Im folgenden seien die derzeit gängigen Methoden zur Bestimmung der kapillären Blutzellgeschwindigkeit kurz miteinander verglichen.
1) Nur mit der Laser Doppler Anemometrie ist es möglich, die Geschwindigkeit in Kapillaren zu messen, die senkrecht zur Hautoberfläche liegen, was für fast alle Körperregionen zutrifft. |